BGH-Urteil: Wer Wirtschaft mit Psychologie studiert hat, darf sich „Wirtschaftspsychologe“ nennen

Der Rechtsstreit zwischen der Lobby deutscher Diplompsychologen, dem BDP e.V. (Bund Deutscher Psychologinnen und Psychologen) und mir ist abgeschlossen: der BDP unterlag vollumfänglich.

Der Bundesgerichtshof bestätigte im Juli 2018 (AZ I ZR 151/17) ein Urteil des OLG München (AZ 6 U 4436/16).

Dieses Urteil ist bahnbrechend. Nicht für mich, sondern für Tausende von Absolventen der Wirtschaftspsychologie.

BDP vs. Jack Nasher

Der BDP e.V. hatte mich verklagt, weil ich seine versuchte Monopolisierung der Bezeichnung „Wirtschaftspsychologe“ in einem Focus-Artikel von 2015 als absurd entlarvt und mich provokativ als ebensolcher bezeichnet hatte, obwohl ich Psychologie nicht mit einem deutschen Diplom abschloss. Vielmehr absolvierte ich das Psychologiestudium mit einem Magister-Hauptfach an der Uni Trier (gefolgt von einem wirtschaftswissenschaftlichen Master an der Universität Oxford).

Nach BDP-Auffassung dürften sich Absolventen von Magister, Bachelor oder Masterstudiengängen in (Wirtschafts-)Psychologie nicht „Wirtschaftspsychologe“ nennen. Dagegen sollten sich alle BDP-Mitglieder mit Psychologie-Diplom so bezeichnen dürfen, auch ohne jegliche wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung.

Gerade im internationalen Bildungssystem völlig absurd.

Lobbyismus zulasten Studierender

Provinzielle Vereinsmeierei, die man hinweglächeln könnte, doch von Gewicht für die Tausenden von Studenten staatlich akkreditierter Wirtschaftspsychologie-Studiengängen – Bachelor oder Master –, denen der BDP die Führung der Bezeichnung seit Jahren öffentlich untersagt und sie mit Abmahnungen einschüchtert. Begründet hat es der Verein stets mit einem BGH-Urteil aus den 1980er Jahren, in dem es einem Heilpraktiker ohne akademische Ausbildung untersagt wurde, sich „prakt. Psychologe“ zu nennen.

 

BGH: BDP unterliegt vollumfänglich

Diesem Unsinn wurde nun ein Riegel vorgeschoben. Der BGH bestätigte die Auffassung des 6. Zivilsenat des Oberlandesgerichts München, das in seiner Urteilsbegründung klar ausführte, dass er es für ausgeschlossen halte, „dass ein Wirtschaftspsychologe“, wie der BDP behauptet, ausschließlich mit dem „Diplom bzw. dem Bachelor und konsekutiven Master of Science, jeweils in Psychologie“ abgeschlossen haben“ müsse.

Weiter führt er sinngemäß aus, dass ein Wirtschaftspsychologe gerade kein „allgemeiner“ Psychologe sei, sondern ein besonders spezialisierter, so wie auch ein Wirtschaftsingenieur kein gewöhnlicher „Ingenieur“ und ein Wirtschaftsjurist kein genereller „Jurist“ ist.

Vorher schon stand die BDP-Auffassung im Widerspruch zu den Landeshochschulgesetzen, der Rechtsauffassung der Hochschulrektorenkonferenz, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst und des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung.

 

Gescheiterter Lobbyismus 

Der BDP arbeitete öffentlichkeitswirksam jahrelang dagegen. Die Chefredakteurin eines BDP-Vereinsblattes, Bärbel Schwertfeger, lancierte jahrelang Artikel in wichtigen Publikationen, von WELT bis SPIEGEL – scheinbar als „freie Journalistin“ – um die Lobby-Position zu manifestieren. Ein großer PR-Coup. Als Schwertfegers Verflechtungen aufflogen, wurden ihre Artikel immerhin gelöscht oder abgeändert.

Nach meinem eingangs erwähnten Focus-Artikel über diese Angelegenheit wurde es immer kurioser: von abstrusen Anschwärzungen bei Behörden und Kunden über die Durchforstung meiner Doktorarbeit. Gebracht hat es nichts.

Dass es Lobbys und Interessensvertretungen gibt, ist wichtig und wünschenswert. Hier überschritt der BDP e.V., unter ihrem Präsidenten, dem FH-Professor Michael Krämer, jegliches Maß.

Herausforderungen habe ich schon immer gern angenommen. Umso schöner, wenn das Ergebnis positiv ausfällt. Für die Zukunft tausender rechtmäßiger Wirtschaftspsychologen.

 

Prof. Dr. Jack Nasher, MSc. (Oxf.)